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Türchen Nr. 13 – Interview mit Aktivisti aus dem Dannenröder Wald

Wie viele schon mitbekommen haben, gibt es in Hessen einen wunderschönen, gesunden und ökologisch wertvollen Wald: den „Danni“. Leider soll genau dort eine Autobahn gebaut werden: die A49. Genau genommen soll sie verlängert werden, es gibt ja schon ein Stück von ihr. Die Idee zum Bau stammt irgendwann aus den 60ern und so richtig beschlossen wurde es in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Das ganze blieb dann eine Weile liegen. In den 2000ern – also als der „Klimawandel“ so langsam für alle ein Begriff wurde, kam man dann leider auf die Idee, dass man die A49 noch fertigstellen müsse. Warum auch immer. (Also vermutlich wegen wirtschaftlichen Interessen von großen Unternehmen in der Region, die ihre Fahrtzeiten dadurch um ein paar Minuten verkürzen können.)

Im Oktober 2019 begannen Aktivisti, den Wald zu besetzen. Ziel ist es, den Weiterbau der Autobahn zu verhindern und den Wald zu retten. Um der Rodung im Dannenröder Wald und den Protesten dagegen mehr Öffentlichkeit zu verschaffen, haben wir uns mit drei Aktivist:innen aus dem Danni getroffen und in gemütlicher Wohnzimmer/Küchenatmosphäre bei containertem Gebäck mit ihnen gesprochen.

[Redaktioneller Hinweis: Wir haben verschiedene Begriffe, Orte etc. mit Links versehen, damit Ihr Euch dazu informieren könnt. Am Ende des Artikels findet Ihr außerdem eine Linkliste zu weiteren Informationen rund um den Danni. Wir geben im Interview die Aussagen der Aktivisti unzensiert wieder, machen uns die Aussagen aber nicht zu eigen.]

[Triggerwarnung: Es wird von exzessiver Naturzerstörung und lebensgefährlicher Gewalt berichtet.]


Referat für Nachhaltigkeit: Hallo und vielen Dank, dass Ihr Euch die Zeit für ein kurzes Interview für uns nehmt. Ich hoffe, Ihr konntet Euch schon etwas erholen. Klarnamen sind ja immer so eine Sache, also wie dürfen wir Euch nennen?

Aktivisti: Ast, Oak und Harz

Referat für Nachhaltigkeit: Ihr seid wochen- bzw. monatelang im Wald gewesen. Wie sah Euer Alltag aus, was habt Ihr gemacht und wie das Leben gestaltet?

Ast: Das muss man in zwei Teile trennen. Es gab die Zeit vor der Räumung und es gab die Zeit ab der Räumung.
Vor der Räumung wurde ein Ort aufgebaut, ein sehr schöner fand ich. Es ging auch immer wieder um die Frage: „Wie will ich da leben?“, also wie das Zusammenleben gestaltet wurde, eine bessere Gesellschaft aufgebaut und eine Utopie gelebt werden kann. Es wurden immer wieder Dinge hinterfragt und wie man sie besser machen kann. Und dann wurde natürlich auch viel gebaut, der Wald gestaltet, Bäumhäuser gebaut und natürlich auch Barrios. [Anmerkung des Referats: Barrios sind Baumhausdörfer sowohl zum Wohnen als auch zum Blockieren]

Dabei wurde aber auch immer Rücksicht auf den Wald genommen. Uns war bewusst, dass wir da eigentlich nicht hingehören und Gäste im Wald waren, wir den Wald also nicht einfach für uns vereinnahmen dürfen sondern ihn vor Zerstörung bewahren wollen.

Harz

Oak: Daher wurden Strukturen auf der Trasse gebaut, weil nur dort gerodet werden sollte. Es gibt dann ja auch immer wieder so sinnlose Vorwürfe an Aktivisti…

Harz: …dass Campen im Wald verboten wäre und wir ja die Natur zerstören würden

Ast: Ist schon klar, dass mit dem Wald von uns achtsam umgegangen werden musste.

Referat für Nachhaltigkeit: Der Vorwurf ist schon etwas zynisch.. Wie hat sich das Leben gestaltet, wenn Ihr gerade nicht gebaut habt?

Ast: Wir haben Handball gespielt

Referat für Nachhaltigkeit: Im Wald?

Oak (lachend): Aktivisti denken sich manchmal viel Blödsinn aus.

Ast: Es wurde aber auch viel gelesen, manche haben im Wald studiert oder es wurde im Bach gebadet.

Oak: Oder Gitarrre gespielt.

Ast: Es gab auch super viele Skillshares, also wo Fertigkeiten und Wissen weitergegeben werden.

Oak: Genau, dazu gehörten Bauen, Klettern etc. Am Anfang wurde neuen Menschen als erstes Klettern beigebracht und wie man baut, also viel über Baumhäuser, Knoten und sogar Holzkunde. Wichtig war auch zu lernen, wie man jemanden kletternd rettet, also wenn jemand z. B. bewusstlos im Seil hängt.

Harz: Oder Baumkunde. Und es wurden auch gemeinsam Pilze gesammelt.

Ast: Und Diskussionsrunden über patriarchale Strukturen innerhalb unseres Barrios geführt.

Harz: Windkraft als die große Lösung?

Ast: Komunismus, Sozialismus, Anarchismus..

 

Referat für Nachhaltigkeit:
Es gibt ja auch immer wieder den Vorwurf, dass Aktivisti ganz viel Müll im Wald hinterlassen würden und eigentlich nur chillen.

Ast: Das Bewusstsein dafür war sehr hoch und es wurde auch immer wieder angesprochen, das war eigentlich kein Problem. Es wurden ja sogar Wege im Wald markiert, um den Wald zu schützen.

Oak: Die Besetzung kann auch Freiraum sein, aber natürlich kann man nicht nur chillen. Der Wald kann aber auch ein Freiraum sein, in denen die gesellschaftlichen Leistungsnormen nicht beachtet werden.

Harz: Es wurde auch gemeinsam Müll gesammelt und aus dem Wald getragen.

Es gab sogar beschriftete Mülltrennung..

Ast

Oak: Es kommt aber auch ganz auf das Barrio an. Es gelten verschiedene Regeln, auch z.B. Corona-Regeln. Es gab streng vegane Barrios und nicht-vegane.

Harz: Es gab acht bis zehn Barrios. Unser Barrio war zum Beispiel drogen- und rauschfrei, dann kamen später einige, die sich dort wohlgefühlt haben, aber trotzdem konsumieren wollten. Dann gab es irgendwann eine Raucherecke. Also wenn man jetzt auch Zigaretten und so als Drogen zählt. Wir haben alternative gesellschaftliche Organisationsformen erfolgreich gelebt.

 

Referat für Nachhaltigkeit:
Das klingt alles nach einem sehr schönen Leben. Aber dann ging die Räumung los. Wie habt Ihr die Zeit erlebt?

[An dieser Stelle wurde die Stimmung im Raum deutlich trauriger und schwankte zwischen Melancholie und Sehnsucht]

Wir mussten die Zerstörung mit ansehen. Unsere eigenen Strukturen wurden zerstört und gesunde Bäume gefällt. Dann wurde immer sofort mit Kies planiert, damit die Maschinen einen festen Untergrund haben. Da war dann einfach kein Wald mehr, sondern nur Kies. Und die Flächen wurden ausgeleuchtet.

Ast

Ast: Ich musste mich dann jeden Morgen entscheiden, ob ich mich auf einen Baum bzw. Baumhaus setze und blockiere.

Oak: Man kann sich räumen lassen, das ist nur eine Ordnungswidrigkeit. Das wird auf Grund der Menge vermutlich eh nicht bearbeitet.

Ich hab zu meinen Eltern gesagt: „Das ist wie falsch parken, nur auf einem Baum.“ Man wird allerdings brutaler behandelt.

Harz

Oak: Abends kam man dann aus der Gesa zurück in den Wald und sah die gefällten Bäume liegen. [Anmerkung Referat für Nachhaltigkeit: Gesa ist die Abkürzung für „Gefangenensammelstelle“, die z.T. bei Demonstrationen eingerichtet wird und in der Personen zunächst festgehalten werden.] Man musste erstmal den Weg finden, es sah abends nichts mehr so aus wie am Morgen. Ich habe auch mal andere nach dem Weg zu meinem Barrio gefragt, weil ich nichts mehr wiedererkannt habe.

Ast: Polizeigewalt an sich gehörte auch zum Alltag. Menschen wurden sogar auf dem Weg zum Wäschewaschen festgenommen und in die Gesa transportiert. Oder auch beim Essen holen.

Oak: Man wusste nie, ob Menschen festgenommen worden sind oder nur länger unterwegs waren.
Aber auch das Wissen, dass wenn Du auf einem Baum bist und von Polizei umzingelt bist, dann kommst Du nicht mehr runter, da Du sonst in die Gesa mitgenommen wirst.

Ast: Du bist halt auch darauf angewiesen, dass die keinen Scheiß machen. Es ist immer wieder vorgekommen, dass Menschen aus einigen Metern heruntergefallen wurden/zum Abstürzen gebracht wurden.

Oak: Wir mussten sogar mitbekommen, wie eine Freundin aus vier Metern heruntergeschnitten wurde.

Referat für Nachhaltigkeit:
Was meinst Du mit „heruntergeschnitten“?

Die Plattform war so gebaut, dass sie nur durch ein Seil gehalten wurde. Ein Cop hat das Seil zerstört. Obwohl er es wusste, obwohl er von allen Seiten angeschrien wurde, ist er einfach auf dem Seil herumgetrampelt, bis es gerissen ist. Die Freundin ist dann mit Wirbelbruch ins Krankenhaus gekommen.

Oak

Ast: Oder es sind Menschen am Boden zusammengeschlagen oder -getreten worden.

Harz: Es war schon unerwartet, dass die Polizei nicht nur Rechtsbeugung, sondern Menschenrechtsverletzungen begangen hat. Sie nehmen sich im Wald viel heraus, weil sie wissen, dass die Aktivisti anonym bleiben wollen und es daher keine Strafverfolgung gibt. Und die Strafverfolgung von Polizeistraftaten in Deutschland ist sowieso schlecht, sie erfolgt ja durch die Polizei selbst. Das wurde von der Polizei dann voll ausgenutzt.

Oak: Die Polizei schränkt auch das Grundrecht auf Versammlung ein. Du darfst zum Beispiel Spontanversammlungen durchführen, wenn es kurzfristig einen Anlass für Dich gibt. Das wurde oft gemacht, aber die Polizei hat die Rechte der Spontanversammelten häufig ignoriert.

Harz: Du darfst auch ohne Personalienkontrolle zu Mahnwachen und darfst nicht an der Teilnahme einer Versammlung gehindert werden, aber die Polizei hat trotzdem oft Menschen festgehalten. Wir haben in Deutschland ein Polizeiproblem.

Referat für Nachhaltigkeit:
Dabei sollte das Recht ja eigentlich durch die Polizei geschützt werden.

[Anderes Mitbewohni, das auch dabei sitzt]: Kennst Du das Video von Jan Böhmermann zu Polizeikritik? Das zeigt, dass echt viel schief läuft. [Klappt den Laptop auf und zeigt das Video]

[Für alle, die es noch nicht kennen: Hier ist der Link zum Youtube-Video: https://www.youtube.com/watch?v=o4AqjHxqcRo]

Referat für Nachhaltigkeit:
Puh… ja, ein schweres Thema. Aber warum tut Ihr Euch das überhaupt an? Im Wald leben, die Zerstörung mitansehen und selbst Gewalt erleben?

Harz: Bis die Polizei kam, war das ein sehr schöner Ort. Ich habe selten an einem Ort so viele Menschen erlebt, mit denen ich mich wohlgefühlt habe. Es war ein sehr schöner Ort zum Lernen und Ausprobieren. Und wir haben ein riesiges Klimaschutzproblem und dann so eine Waldzerstörung.. und die hat dann keine Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Es werden regelmäßig sogar Naturschutzgebiete in Deutschland und Europa kaputt gemacht!

Oak: Hier ist aber netterweise das Naturschutzgebiet vor der Autobahn ausgewichen.

Und ich finde es ziemlich deprimierend, dass klar ist, was alles drauf gehen kann und das nur, weil der Bau vor vierzig Jahren beschlossen worden ist.

Ast

Ast: Es gibt viele Möglichkeiten, politisch aktiv etwas zu bewirken. Aber abseits von bereits genutzten Möglichkeiten (z.B. Klagen) gab es nicht mehr viel Spielraum. Ich möchte keinen Autobahnbau und kann mich dahinstellen und aktiv etwas dagegen tun. Und ich finde es ziemlich deprimierend, dass klar ist, was alles drauf gehen kann und das nur, weil der Bau vor vierzig Jahren beschlossen worden ist.

Oak: Das hat sogar mal ein Cop gesagt..

[Mitbewohni von eben:] Es geht dabei ja auch nicht nur „um die Natur“. Es geht dabei verdammt nochmal darum, irgendwie unseren eigenen Arsch zu retten. Es gibt Artensterben und es gibt neue Arten, das ist die Natur, sie wird uns überleben.

Ast: Große Unternehmen stehen dahinter und machen Druck auf die Politik, damit die Autobahn gebaut wird. Es ist für mich ein großes Systemproblem, dass der Fokus nicht auf Natur und Menschen ist, sondern auf dem, was Unternehmen sagen. Der Wald ist nur ein weiteres Beispiel dafür.

Es wurde auch demokratisch beschlossen, dass Klimaschutzziele eingehalten werden, z.B. das Kyoto-Protokoll oder das Pariser Abkommen. Aber die Politik schafft es nicht, die Umsetzung zu gewährleisten. Das finde ich undemokratisch.

Harz

Harz: Ein kurzer Ausschweif zur Demokratiediskussion. Ich habe auch mit einigen Leuten gesprochen, die meinten, dass die Autobahn demokratisch beschlossen sei. Uns wird dann vorgeworfen, wir seien antidemokratisch. Ich verstehe mich nicht als antidemokratisch. Ich sehe vielmehr ein Problem mit der Umsetzung der Demokratie im bestehenden System. Es wurde auch demokratisch beschlossen, dass Klimaschutzziele eingehalten werden, z.B. das Kyoto-Protokoll oder das Pariser Abkommen. Aber die Politik schafft es nicht, die Umsetzung zu gewährleisten. Das finde ich undemokratisch.

Oak: Ich find‘ auch wichtig, den politischen Bezug zur Verkehrswende zu sehen. Wir brauchen keine Autobahnen, sondern weniger Verkehr, dann eben mehr mit Bus und Bahn fahren..
Aber der Wald war auch ein Ort von zivilem Ungehorsam, der eine antikapitalistische Perspektive geboten hat und gezeigt hat, dass wir noch viel mehr ändern müssen, um nicht nur ökologisch, sondern auch besser leben zu können.

Harz: Rezo macht Klimawandel als politisches Problem sehr gut deutlich in seinem Video. [Anmerkung des Referats für Nachhaltigkeit: Das Video findet Ihr hier auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=4Y1lZQsyuSQ]

Die Meinungen der Cops reichten von „Ja, klar ist das Projekt Bullshit aber ich muss das halt machen.“ bis zu „Ich feier das voll und mache Euch gerne fertig.“

Oak

Oak: Diskussionen mit den Cops waren aber auch Alltag, z.B. wenn sie wieder etwas umstellt haben. Wir versuchen ihnen ja auch immer wieder ins Bewusstsein zu reden. Die Meinungen der Cops reichten von „Ja, klar ist das Projekt Bullshit aber ich muss das halt machen.“ bis zu „Ich feier das voll und mache Euch gerne fertig.“

 

Referat für Nachhaltigkeit: Man liest ja ab und zu von „parlamentarischen Beobachter:innen“ im Wald. [Ergänzung vom Referat für Nachhaltigkeit: Hierbei handelt es sich um eine Form der Kontrolle der Exekutive durch Parlamentarier:innen, die dabei Versammlungen und Polizeieinsätze neutral beobachten.] Nach meiner eigenen Erfahrung sind die zwar ganz nett, aber.. wie nehmt ihr deren Wirkung war?

Aber es zeigt sich ja, dass wirtschaftliche vor menschliche Interessen im politischen System in Deutschland stehen.

Oak

Oak: Es sind ja nur linke und grüne da. Die Cops nehmen sich halt zurück und sind vorsichtiger, wenn sie da sind. Und wenn sie dann nicht mehr da sind, dann können sie halt wieder machen, was sie wollen. So wie es mit der Presse auch ist.
Aber es zeigt sich ja, dass wirtschaftliche vor menschliche Interessen im politischen System in Deutschland stehen.

Ast:
Aber Polizisti nehme ich nur als Polizisti und nicht als Mensch wahr. Parlis sagen zwar, dass sie nicht eingreifen, auch wenn sie Polizeigewalt sehen, aber ich nehme sie zumindest als Menschen wahr.
Presse wird ja auch teilweise rausgeschickt von der Polizei. Die kann dann alles machen.

Gäbe es nichts zu verbergen, würde die Polizei nicht die Presse wegschicken.

Harz

Referat für Nachhaltigkeit:
Man merkt, dass da wohl einiges schief läuft mit der Gewaltenteilung. Auch mit der Presse als „vierte Gewalt„.. Aber lasst uns zu einem anderen Thema kommen. Für viele ist der Danni ja einfach nur „ein Stück Wald, das abgeholzt werden soll“. Und eigentlich auch nur ein wenig davon und nicht alles. Was macht ihn also so besonders, dass er zurzeit im Zentrum von Klimakämpfen steht?

Alles lebt zusammen und ist miteinander verbunden. Den Wert merkst Du aber erst so richtig, wenn Du ihn gesehen, wenn Du es erlebt hast. Das ist was ganz anderes als ein Forst aus „Fichte, Fichte, Fichte“, also Baumplantagen.

Oak

Oak: Der Danni ist ein sehr besonderer Mischwald. Es gibt unterschiedliche Gebiete im Wald, die sich auch in ihrem Bewuchs sehr unterscheiden. Im Wald wachsen Buchen, Fichten, Eichen nebeneinander. Auch Kiefern und andere Bäume und Pflanzen. Alles lebt zusammen und ist miteinander verbunden. Den Wert merkst Du aber erst so richtig, wenn Du ihn gesehen, wenn Du es erlebt hast. Das ist was ganz anderes als ein Forst aus „Fichte, Fichte, Fichte“, also Baumplantagen.

Ast: Und es ist nicht nur ein Mischwald aus verschiedenen Arten, sondern es leben auch viele verschiedene Generationen von Bäumen zusammen. Das ist etwas, das man nicht einfach mal eben wiederaufbauen kann.

Harz: Weshalb Ausgleichsflächen auch ein Witz sind. Der Danni ist eigentlich der vorzeige-bewirtschaftete Wald. Es gibt verschiedene Generationen, innerhalb einer Fläche nur eine geringe jährliche Entnahme von Holz, sodass das Ökosystem nicht zerstört wird und alles gesund nachwachsen kann. Daher ist der Wald auch sehr gesund und geht nicht am Borkenkäfer und auch nicht an Trockenheit zugrunde.
Wir haben auch mit einem Forstfachmenschen gesprochen, der meinte, dass der Forst an der Schneise zugrunde gehen wird, da er bisher ein zusammenhängendes Ökosystem dargestellt hat. Und es sind ja nicht „nur“ 27 ha für die Schneise gerodet worden bzw. 85 ha, wenn man den Herri und den Mauli noch mitzählt [Anmerkung vom Referat für Nachhaltigkeit: Dabei handelt es sich um umliegende Wälder]. Und laut Berichten vom BUND sollen insg. 100 ha im Danni für weitere Zufahrtsstraßen etc. gerodet werden.

Und dann ist da auch noch ein riesiges Trinkwasserschutzgebiet gefährdet, dass über 500 000 Menschen mit Trinkwasser versorgt.

Ast

Ast: Auch für Tiere werden Routen zerstört und Lebensräume zerteilt. Fledermäuse können sich nicht mehr richtig orientieren. Und dann ist da auch noch ein riesiges Trinkwasserschutzgebiet gefährdet, dass über 500 000 Menschen mit Trinkwasser versorgt. Durch die Bohrungen für die Fundamente besteht die Gefahr, dass Grundwasserleiter beschädigt werden und damit die Trinkwasserversorgung gefährdet wird.

Harz: Der Protest ist aber noch nicht vorbei. Die Autobahn ist noch nicht gebaut. Man sollte sich weiter informiert halten. Das geht gut bei Twitter bei @keineA49. Es lohnt sich auf jeden Fall, hinzufahren, für ein Wochenende, eine Woche, ein Semester. Die Trasse ist zwar seit heute, 15:16 Uhr geräumt und der letzte Baum gefallen, aber der Widerstand ist noch nicht beendet.

Ast: Der Danni ist als soziales und aktivistisches Gefüge mehr als die Leute auf den Bäumen und im Wald. Es gab zum Beispiel auch ein Camp am Waldeingang.

Harz: Es gibt auch niedrigschwellige Angebote mit geringerem Repressionslevel. Zum Beispiel die Küfa [Küche für alle], die Betreuung der Mahnwache oder Menschen aus der Gesa abholen.

 

Referat für Nachhaltigkeit:
Also wenn Menschen sich engagieren wollen: Was können sie tun?

Harz: Sich selbst und die Menschen im Umfeld informieren.

Ast: Es werden immer wieder Materialspenden gebraucht. Die sollen aber nicht neugekauft, sondern nur zuhause aussortiert werden. Essenssachen werden gebraucht.. Man kann Informationsveranstaltungen machen. Es gab auch jeden Sonntag einen Waldspaziergang.

Harz: Es gibt auch Awarenessstrukturen, bei denen Aktivisti z.B. nach Gewalterfahrungen betreut werden. Das wäre vielleicht auch etwas für die ganzen Psychostudis in Trier..
In Trier kann man sich sonst halt noch bei XR, FFF und Ende Gelände engagieren.

Referat für Nachhaltigkeit:
Vielen Dank für Eure Berichte und vielen Dank, dass Ihr Euch so intensiv für ein ökologischeres und besseres Leben für alle einsetzt. Ich hoffe, Ihr könnt euch jetzt erholen und Kraft für weiteren Aktivismus schöpfen.

 


Linkliste:

Quellennachweis:

Die verwendeten Bilder stammen von https://waldstattasphalt.blackblogs.org und https://twitter.com/keinea49.