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Nachhaltigkeit

Veganismus – Teil 1 – Veganismus, Nachhaltigkeit und Ethik

Veganismus, Nachhaltigkeit und Ethik

von Mitarbeiterin Sinah

English version below

Eine feste Komponente unseres Referats ist der einmal im Monat stattfindende vegane Brunch – und er fehlt uns. Zeit also für ein buntes Paket an Background-Infos und Thementipps! Heute an Tag 1 geht’s los mit der grundlegenden Frage, was Veganismus überhaupt bedeutet, und warum wir als Referat uns damit eigentlich beschäftigen. Und im Laufe der Woche zeigen wir dir, was du Schritt für Schritt selbst tun kannst.

Für das Nachhaltigkeitsreferat nimmt Ernährung einen wichtigen Stellenwert ein. Essen müssen wir alle und häufig, sodass der Konsum von Lebensmitteln eine enorme Menge Ressourcen verbraucht und viele Arbeitsbranchen beeinflusst. Es wird angenommen, dass 19-29% der weltweiten Treibhausgasemissionen durch Ernährung verursacht werden, und je nach Studie entfallen unter Berücksichtigung aller Faktoren mindestens 14,5% auf die Tierindustrie. Tierhaltung nimmt in der globalen Ernährung also einen hohen Stellenwert ein: 60% der weltweiten Biomasse an Säugetieren sind sogenannte Nutztiere, 36% Menschen und lediglich 4% Wildtiere, bei Vögeln sind es 30% in freier Wildbahn versus 70% in der Tierhaltung.

Diese gigantische Masse an Tieren, die für den menschlichen Verzehr produziert werden, muss ebenfalls ernährt werden. Meist mit einem Großteil an Sojaschrot, angebaut in Südamerika auf ehemaligen Regenwaldflächen. Über 80% der Sojaernte fließen in Tierfutter und machen Fleisch, Milch, Eier und auch Fisch aus Aquakultur damit zu gigantischen sekundären CO2-Verursachern. Mit der Futterproduktion einhergehende Monokulturen und entsprechende Pestizide und Insektizide bedrohen Ökosysteme und Artenvielfalt. Nun ist die Produktionskette von Tierprodukten höchst ineffizient. Auf den rund 80% für die Tierproduktion genutzten landwirtschaftlichen Fläche werden nur 18 % der Kalorien und 37% der Proteine erzeugt. Die Tierhaltung ist damit wesentlich umweltschädlicher, als direkt für den menschlichen Verzehr angebaute Nahrung.

Am Ende stehen die Ausscheidungen der Tiere, die entsorgt werden müssen. Riesige Gülleseen gibt es zum Beispiel in den USA – in Deutschland führt die Gülleentsorgung zu gefährlichen Nitratanstiegen im Grundwasser. Das Ökosystem Meer wird vor allem durch den industriellen Fischfang bedroht. Pelagische Schleppnetze von 1,5 km Länge beinhalten unvermeidlichen Beifang wie Delfine oder Schildkröten, die nicht selten tot zurück ins Meer geworfen werden, und die kleineren Grundschleppnetze vernichten das Leben am Meeresboden. Zudem treiben sogenannte Geisternetze als Plastikmüll und Verschnürungsgefahr durchs Wasser. Und durch die enorme Nachfrage nach Fisch sind etliche Arten bedroht. Siegel wie das bekannte MSC-Siegel oder auch Bio-Auszeichnungen sind dabei leider häufig mehr Gewissensberuhigung, als dass sie tatsächlich sogenannten nachhaltigen Fischfang garantieren… Fisch aus Aquakulturen hingegen verschmutzt durch die marine Massentierhaltung die Meere, greift in heimische Ökosysteme ein und bringt, ebenso wie die Tierhaltung an Land, Antibiotika in die Kreisläufe.

Die Thematik ist komplex, sodass konkrete Prozente immer mit Vorsicht zu genießen sind. Man findet unter Experten allerdings weitgehend wissenschaftlichen Konsens, dass die sogenannte Nutztierhaltung einen gravierenden Beitrag zu diversen Umweltproblemen leistet, die mit pflanzlicher Ernährung drastisch reduziert werden könnten. Einer bekannten Oxford-Studie zufolge sparen VeganerInnen pro Jahr acht Economy-Class Flüge zwischen London und Berlin ein.

Nun ist es so, dass Veganismus kein Freiflugschein und kein Allheilmittel ist. Weitere mit dem Thema Ernährung verknüpfte Faktoren wie Plastikmüll, Pestizide, Ökosystem werden durch eine pflanzliche Ernährung nicht unmittelbar gelöst – vielleicht erwartet dich dazu in der kommenden Zeit noch eine Themenwoche. Aber es zeichnet sich eindeutig ab, dass die Produktion tierlicher Lebensmittel höchst ineffizient ist und die industrielle Tierhaltung eine gravierende Bedrohung für Klima und Natur darstellt. Eine pflanzliche Ernährung setzt hier an und spart Ressourcen und Treibhausgase in signifikanten Mengen.

Hier zum Beispiel ein Video auf Youtube zu einem Güllesee neben einer Tierfabrik.s

Veganismus geht allerdings noch weiter und bezeichnet eine nach Möglichkeiten leidfreie Lebensform über die Ernährung hinaus. In erster Linie beinhaltet Veganismus natürlich die Ablehnung tierischer Produkte in allen Lebensbereichen, also auch im Bereich Bekleidung und Lifestyle, aber auch die Ablehnung der Unterhaltung durch Tiere in Zoos, Zirkussen oder durch die klassische Haustierzucht. Grundlage dafür ist die Idee des Speziesismus, also der ungerechtfertigten Bevor- oder Benachteiligung bestimmter Tiere (und damit letztlich auch des Menschen) allein aufgrund ihrer Art.

Es geht zum Beispiel um das Hinterfragen der weitgehend willkürlichen Unterteilung von Arten in liebenswerte, individuelle Haustiere versus zur Ware degradierte Nutztiere – schließlich empfinden beide gleich viel Schmerz – oder um die Grundhaltung, dass Tiere aufgrund der Vielzahl an Alternativen für den Menschen keinen Nutzen erfüllen und stattdessen Rechte erhalten sollten.

Nachhaltigkeit ist generell ein sehr dehnbarer Begriff, und ohne Respekt gegenüber fühlenden Lebewesen sind echte globale Nachhaltigkeit und ein achtsames Miteinander nicht möglich. Deshalb beleuchten wir in dieser Woche auch moralische Faktoren genauer, das heißt den Alltag der Tierindustrie in Bezug auf Tierschutz sowie Tier- und Menschenrechte – denn letztere sind mit dem Veganismus eng verknüpft.

Probier heute doch direkt mal folgendes superschnelles, einfaches Rezept aus:

https://vegan-taste-week.de/vegane-rezepte/gemuesepfanne

Eine sommerliche Gemüsepfanne, die sich individuell variieren lässt: Mit gehackten Nüssen für Biss und Aroma, mit Hefeflocken zum Würzen oder mit weißen Bohnen als Proteinkomponente. Dazu zum Beispiel Nudeln oder Kartoffeln – und als Topping Knoblauchöl? Geht ratzfatz und schmeckt super.

Quellen

https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/jedes-zweite-saeugetier-ist-ein-nutztier
https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/uba-umweltschaeden-landwirtschaft
https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/tierprodukte-befeuern-globale-erwaermung
https://albert-schweitzer-stiftung.de/fische-krebstiere/fische-wild
https://www.peta.de/umwelt
https://www.annualreviews.org/doi/abs/10.1146/annurev-environ-020411-130608?journalCode=energy
http://www.fao.org/3/a-i3437e.pdf
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/479/publikationen/schwerpunkte_2017_web.pdf
https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/beitrag-der-landwirtschaft-zu-den-treibhausgas#klimagase-aus-der-viehhaltung
https://www.quarks.de/umwelt/landwirtschaft/msc-3-kritikpunkte-an-dem-siegel/
https://www.pnas.org/content/early/2016/03/16/1523119113

Vegan, sustainability und ethics

by coworker Sinah

A fixed component of our presentation is the vegan brunch which takes place once a month – and we miss it. So it’s time for a colourful package of background information and tips! Today on day 1 we start with the basic question, what Veganism means at all, and why we actually deal with it. And in the course of the week we will show you what you can do yourself step by step.

For the sustainability department, nutrition takes an important value. We all have to eat frequently, so that the consumption of food consumes an enormous amount of resources and influences many working sectors. It is assumed that 19-29% of global greenhouse gas emissions are caused by food, and depending on the study, taking all factors into account, the animal industry accounts for at least 14.5%. Animal husbandry thus plays an important role in global nutrition: 60% of the worldwide biomass of mammals is farm animals, 36% of humans and only 4% of wild animals, while for birds the figure is 30% in the wild versus 70% in animal husbandry.

This gigantic mass of animals produced for human consumption must also be fed. Mostly with a large amount of soybean meal, grown in South America on former rainforest areas. More than 80% of the soya harvest goes into animal feed, making meat, milk, eggs and even fish from aquaculture gigantic secondary CO2 producers. Monocultures and pesticides and insecticides associated with the production of animal feed threaten ecosystems and biodiversity. Now the production chain of animal products is highly inefficient. Only 18% of the calories and 37% of the proteins are produced on the approximately 80% of agricultural land used for animal production. Livestock farming is therefore much more harmful to the environment than food grown directly for human consumption.

At the end are the excrements of the animals, which have to be disposed of. There are huge lakes of manure in the USA, for example – in Germany manure disposal leads to dangerous nitrate increases in the groundwater. The marine ecosystem is threatened above all by industrial fishing. Pelagic trawls of 1.5 km in length contain unavoidable by-catch such as dolphins or turtles, which are often thrown back into the sea dead, and the smaller bottom trawls destroy life on the sea floor. In addition, so-called ghost nets drift through the water as plastic waste and danger of tying up. And due to the enormous demand for fish, several species are threatened. Labels such as the well-known MSC label or organic labels are unfortunately often more a comfort of conscience than a guarantee of so-called sustainable fishing… Fish from aquacultures, on the other hand, pollute the oceans through marine intensive livestock farming, interfere with domestic ecosystems and, just like livestock farming on land, introduce antibiotics into the cycle.

The issue is complex, so that concrete percentages should always be treated with caution. However, there is a broad scientific consensus among experts that so-called farm animal husbandry makes a serious contribution to various environmental problems, which could be drastically reduced with a plant-based diet. According to a well-known Oxford study, vegans save eight economy class flights between London and Berlin per year.

Now it is so that Veganismus is no free flight ticket and no panacea. Further factors connected with the topic nutrition such as plastic garbage, pesticides, ecological system are not solved by a vegetable nutrition directly – perhaps in the coming time still another topic week expects you in addition. But it is becoming clear that the production of animal food is highly inefficient and that industrial animal husbandry poses a serious threat to climate and nature. A plant-based diet starts here and saves resources and greenhouse gases in significant quantities.

Here an example of a lake of slurry next to an animal farm on youtube

Veganism goes however still further and designates a way of life free of suffering after possibilities beyond the nutrition. Primarily veganism naturally contains the refusal of animal products in all areas of life, thus also in topics of clothing and lifestyle, and in addition, the refusal of keeping animals in zoos, circuses or the classical pet breeding. The basis for this is the idea of speciesism, i.e. the unjustified preferential or disadvantageous treatment of certain animals (and thus ultimately also of humans) solely on the basis of their species.

It is, for example, about questioning the largely arbitrary division of species into lovable, individual pets versus farm animals degraded to commodities – after all, both feel the same amount of pain – or about the basic attitude that animals, due to the multitude of alternatives, should not fulfil any benefit for humans and should instead be given rights.

Sustainability is generally a very broad concept, and without respect for sentient beings, true global sustainability and respectful coexistence are not possible. That is why this week we are also taking a closer look at moral factors, i.e. the everyday life of the animal industry in relation to animal welfare and animal and human rights – because the latter are closely linked to veganism.

Try today nevertheless directly this superfast and simple recipe:

https://vegan-taste-week.de/vegane-rezepte/gemuesepfanne

A summery vegetable pan that can be individually varied: With chopped nuts for bite and flavour, with yeast flakes for seasoning or with white beans as a protein component. With pasta or potatoes, for example – and garlic oil as a topping? It is done super-speedy and tastes great.

https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/jedes-zweite-saeugetier-ist-ein-nutztier
https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/uba-umweltschaeden-landwirtschaft
https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/tierprodukte-befeuern-globale-erwaermung
https://albert-schweitzer-stiftung.de/fische-krebstiere/fische-wild
https://www.peta.de/umwelt
https://www.annualreviews.org/doi/abs/10.1146/annurev-environ-020411-130608?journalCode=energy
http://www.fao.org/3/a-i3437e.pdf
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/479/publikationen/schwerpunkte_2017_web.pdf
https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/beitrag-der-landwirtschaft-zu-den-treibhausgas#klimagase-aus-der-viehhaltung
https://www.quarks.de/umwelt/landwirtschaft/msc-3-kritikpunkte-an-dem-siegel/
https://www.pnas.org/content/early/2016/03/16/1523119113

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